Nur wer genau hinschaut, erkennt, dass sich in der Schweiz seit Jahren schleichend etwas verändert. Immer mehr Menschen aus der Mittelschicht geraten finanziell unter Druck. Viele arbeiten Vollzeit, leben in einer Mietwohnung und merken dennoch, dass die monatlichen Rechnungen zunehmend schwieriger zu bezahlen sind. Was früher für ein normales und sicheres Leben gereicht hat, reicht heute oft kaum noch aus. Die Situation spitzt sich immer weiter zu.
Nicht ohne Grund haben Psychologen und Psychiater derzeit Hochkonjunktur.
Zukunftsängste, finanzieller Druck und die ständige Unsicherheit belasten immer mehr Menschen psychisch. Viele fühlen sich trotz harter Arbeit ausgelaugt und perspektivlos.
Wer beispielsweise bei grösseren Telekommunikationsfirmen in der Schweiz seine Anschlüsse hat, stellt fest, dass heute wesentlich schneller Mahnungen verschickt werden als früher. Mahngebühren von Fr. 30.– sind dabei längst keine Ausnahme mehr, selbst wenn eine Rechnung nur wenige Tage - warum auch immer - verspätet bezahlt wurde. Der Mensch zählt dabei nicht mehr – im Vordergrund stehen in erster Linie Profit und Einnahmen. Diese Vorgehensweise belastet viele Menschen zusätzlich finanziell. Ähnlich wie bei der stetig zunehmenden Zahl an Radarkästen entsteht immer mehr das Gefühl, dass jede Gelegenheit in der Schweiz genutzt wird, um der Bevölkerung zusätzlich Geld aus der Tasche zu ziehen.
Aus verschiedenen Quellen hört man auch von auffallend vielen Wohnungskündigungen. Viele Menschen können sich moderne oder grössere Wohnungen schlicht nicht mehr leisten. Einige ziehen aufs Land, andere verlassen die Schweiz ganz, weil ihnen das Leben hier zu teuer geworden ist.
Für viele ist das ein deutliches Zeichen, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Die Kosten steigen beinahe überall: Mieten, Krankenkassenprämien, Versicherungen, Treibstoff, Fahrzeuge, Lebensmittel oder der öffentliche Verkehr werden laufend teurer. Zahlt man einige Tage zu spät, so werden einem Bussen (sog. Mahngebühren) auferlegt. Gleichzeitig wächst bei vielen Menschen das Gefühl, dass die Mittelschicht immer stärker unter Druck gerät und langsam verschwindet.
Wer heute mit einem Nettoeinkommen von rund 6000 Franken eine Familie mit zwei Kindern versorgen muss — ein Lohn, der früher als gut galt — merkt schnell, wie knapp das Budget inzwischen geworden ist. Viele sehen sich gezwungen, frühzeitig neue Wege zu suchen, bevor sie in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten geraten. Oft bedeutet das, eine günstigere Wohnung suchen zu müssen, dass die Partnerin (der Partner) zusätzlich einen Nebenjob annimmt oder im schlimmsten Fall sogar die Schweiz zu verlassen, weil das Leben hier für viele Familien zunehmend unbezahlbar wird.
Besonders problematisch ist zudem, dass immer mehr gut ausgebildete Fachkräfte und Handwerker auswandern. Langfristig könnte dies auch für die Schweiz selbst zu einer grossen Herausforderung werden. Denn wenn immer mehr Leistungsträger das Land verlassen, gerät auch das wirtschaftliche Gleichgewicht zunehmend unter Druck.
Gleichzeitig entsteht bei vielen Menschen der Eindruck, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht: Die Reichen werden reicher, während die finanzielle Belastung für die breite Bevölkerung zunimmt. Dass viele Haushalte heute deutlich stärker sparen müssen als noch vor einigen Jahren, wird von vielen als klares Warnsignal gesehen. Viele Bürger erwarten deshalb von der Politik konkrete Lösungen, damit Wohnen, Familienleben und Arbeit in der Schweiz langfristig wieder bezahlbar bleiben. Doch immer mehr Menschen stellen sich die Frage, ob diese Lösungen überhaupt noch ernsthaft gesucht werden.
Gerade deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig Gedanken über die eigene Zukunft zu machen. Wer merkt, dass der eigene Lohn kaum mehr ausreicht, sollte aktiv nach Lösungen suchen und nicht einfach passiv weitermachen. Eine Möglichkeit können beispielsweise neue Wohnformen wie Wohngemeinschaften oder gemeinschaftliche Projekte sein, bei denen Kosten geteilt und Ressourcen gemeinsam genutzt werden.
Auch wir gehören zur Mittelschicht und haben aus diesem Grund ein eigenes Projekt ins Leben gerufen, dem man sich anschliessen kann. Unser Ziel ist es, Menschen dabei zu unterstützen, trotz steigender Lebenshaltungskosten weiterhin bezahlbar und solidarisch in der Schweiz leben zu können.
Doch auch wir stellen uns zunehmend die Frage, ob es langfristig nicht sinnvoller wäre, die Schweiz zu verlassen und in ein Land auszuwandern, in dem Familien noch bezahlbar und ohne permanenten finanziellen Druck leben können. Ein Leben, in dem man nicht das Gefühl hat, nur noch zu arbeiten, um ständig höhere Abgaben, Steuern und Lebenshaltungskosten bezahlen zu müssen.
Wir haben uns deshalb bereits intensiver mit anderen Ländern beschäftigt und festgestellt: Es gibt sie durchaus noch — Länder, in denen Familienfreundlichkeit, bezahlbarer Wohnraum und eine bessere Lebensbalance keine Ausnahme sind. Orte, an denen man trotz normalem Einkommen noch eine gute Lebensqualität geniessen kann, ohne ständig Existenzängste zu haben.
Doch gleichzeitig stellt sich für uns eine viel grundlegendere Frage: Warum sollten wir überhaupt gezwungen sein, unsere Heimat zu verlassen?
Wir haben in der Schweiz über viele Jahre gearbeitet, Steuern bezahlt, Militärdienst geleistet, uns in Vereinen engagiert und teilweise freiwillige Arbeit für die Gesellschaft übernommen — etwa in der Feuerwehr oder in anderen Organisationen. Viele Menschen aus der Mittelschicht haben dieses Land mitgetragen, aufgebaut und mitfinanziert. Gerade deshalb wächst bei vielen die Enttäuschung, wenn sie heute das Gefühl haben, dass ihre Sorgen und Probleme von der Politik immer weniger ernst genommen werden!
Immer mehr Bürger fragen sich deshalb, ob die politischen Prioritäten noch richtig gesetzt werden. Während Milliarden für internationale Projekte, Entwicklungshilfe oder andere Verpflichtungen im Ausland gesprochen werden, kämpfen viele Menschen im eigenen Land mit steigenden Mieten, Krankenkassenprämien und immer höheren Lebenshaltungskosten.
Natürlich ist internationale Hilfe wichtig, und Solidarität gehört zu einer starken Gesellschaft. Dennoch erwarten viele Menschen, dass der Staat zuerst auch die eigenen Bürger unterstützt — insbesondere jene, die jahrzehntelang gearbeitet, Beiträge geleistet und Verantwortung übernommen haben.
Denn wenn selbst arbeitende Familien mit durchschnittlichem Einkommen zunehmend Mühe haben, über die Runden zu kommen, dann ist das ein Warnsignal, das nicht ignoriert werden sollte! Eine starke Schweiz braucht nicht nur eine starke Wirtschaft, sondern vor allem auch eine stabile, zufriedene und finanzierbare Mittelschicht. Wenn diese immer weiter unter Druck gerät, verliert langfristig das ganze Land an Stabilität, Zusammenhalt und Zukunftsperspektiven.